Philipp Breuss bringt Sehenswürdigkeiten auf das Handy und ist "Salzburger der Woche" auf SALZBURG.AT
Den passenden Reiseführer immer in der Tasche, egal, wo man sich befindet – mit dieser technischen Raffinesse macht derzeit Philipp Breuss-Schneeweis von sich reden. Er wurde heute, Dienstag, 16. Juni, zum "Salzburger der Woche" auf SALZBURG.AT, der Plattform für die Europaregion auf www.salzburg.at im Internet, gekürt.
Und so funktioniert es: Man richtet sein Mobiltelefon im Kameramodus auf eine Sehenswürdigkeit, und wenige Sekunden später gibt es Wissenswertes darüber auf dem Handy-Bildschirm. "Die Idee entstand im August 2007 auf einer Reise nach Tschechien, als ich mir dachte, dass es toll wäre, wenn das Navigationssystem viel mehr Sehenswürdigkeiten anzeigte und historische Informationen lieferte", erzählt Breuss. Schließlich kam er auf die Idee, Wikipedia-Inhalte für so einen Reiseführer zu verwenden. Gemeinsam mit zwei Freunden entwickelte er dann die Software für den "Wikitude" benannten Mobildienst. Der entscheidende Punkt war die Kameraansicht. "Ich wusste, wenn das klappt, haben wir eine Chance." Die Software funktionierte, "drei Tage später kündigte ich", erinnert sich der 35-jährige Salzburger, bis dahin Softwareentwickler bei Sony.
Schritt für Schritt setzte sich der Erfolgslauf fort: Bei der Google Developer Challenge 2008 war "Wikitude" einer der Top-50-Finalisten unter 1.788 Einreichungen weltweit, im selben Jahr wurde es mit dem Österreichischen Staatspreis 2008 in der Kategorie Tourismus, Gesundheit und Soziale Dienste ausgezeichnet. Auf der weltweit größten Computermesse, dem Mobile World Congress in Barcelona, wurde es mit dem Top Innovator Award prämiert. Schon nach kurzer Zeit wurde der mobile Reiseführer mehr als 100.000 Mal heruntergeladen und gilt als eine der ersten Anwendungen von Augmented Reality für Endkunden. Augmented Reality bedeutet, dass die Wirklichkeit mit computergenerierten Daten überlagert wird. Der Name "Wikitude" wiederum setzt sich aus dem Namen der Internet-Enzyklopädie Wikipedia und den Begriffen Latitude und Longitude für Breiten- und Längengrad zusammen.
Mit dem BCCS zur Professionalität
Anfang 2009 gründete Philipp Breuss mit Partnern die Firma Mobilizy, seit März mit Sitz im Techno-Z in Salzburg-Itzling. "Am Anfang habe ich von zu Hause gearbeitet, bei Kundengesprächen hörte man im Hintergrund meine Familie. Das war mir etwas unangenehm." Die Umsetzung der Idee sowie die Firmengründung werden seit März 2009 vom Business Creation Center Salzburg (BCCS) des Salzburger Akademischen Gründerzentrums gefördert und begleitet. "Ohne diese Unterstützung wäre ich längst nicht so weit gekommen", sagt Breuss in einem Interview mit dem "Kurier". Er macht anderen Gründern Mut, sich bei der Förderstelle zu bewerben. Das BCCS ermöglicht dem jungen Unternehmer auch Reisen zu potenziellen neuen Kunden im Ausland. Rund 70.000 Euro für eineinhalb Jahre (inklusive eines zinsenfreien Darlehens) werden Breuss zur Verfügung gestellt.
Der Handy-Reiseführer soll sich natürlich auch bezahlt machen. Als Kunden kommen Firmen oder Banken, die die Applikation für ihre Kunden anbieten, infrage. Weiters ist geplant, das ursprüngliche Angebot von "Wikitude" noch umfangreicher zu gestalten. Mit den Plänen sollen auch das Team wachsen und neue Mitarbeiter eingestellt werden, darunter eine Geo-Informatikerin.
Hobby-Gitarrist Philipp Breuss hat einen Master in Computer Science von der Bowling Green State University (USA) und studierte auch Computerwissenschaften an der Universität Salzburg. Er ist verheiratet, lebt in Salzburg und hat einen Sohn. Als Anwendungsfach studierte Breuss Geschichte. Deswegen liege sein Interesse auch darin, vor allem die historischen Informationen auf dem Handy anzuzeigen, erklärt Breuss. Obwohl er sich schon immer selbstständig machen wollte, sei es doch "ein ungewöhnliches Gefühl, aus einer Festanstellung zu kommen und plötzlich als Selbstständiger morgens aufzustehen und zu sagen: Und was mache ich heute?", sagt Breuss über seine berufliche Umstellung.
Noch mehr Lebensgeschichten aus Salzburg
Die Serie "Salzburger der Woche" gibt es auch wieder in Buchform: Das neue Buch "63 Portraits – Noch mehr Lebensgeschichten aus Salzburg", herausgegeben vom Landespressebüro, fasst die Salzburgerinnen und Salzburger der Woche aus den Jahren 2007 und 2008 zusammen und ist kostenlos unter der Telefonnummer 0662/8042-2417 und im Webshop des Landes unter www.salzburg.gv.at/landversand erhältlich.
Salzburger Landeskorrespondenz, 16.06.2009 |