Steuerliche Anreize für Unternehmen am Standort Österreich

27. September 2017

Für Unternehmen ist es eine Herausforderung, sich in der komplexen österreichischen Steuerlandschaft zurecht zu finden. Dadurch wird nicht selten auf Vorteile verzichtet, die eigentlich geltend gemacht werden könnten. Gerade für Holdinggesellschaften, Steuergruppen sowie forschungsintensive Unternehmen bietet der Wirtschaftsstandort Österreich eine Reihe von steuerlichen Vorteilen.

Es gibt keine pauschale Antwort darauf, welche Steuervorteile Unternehmen in Österreich nutzen können. Viele Begünstigungen sind an eine Reihe bestimmter Voraussetzungen geknüpft. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass sich Beteiligungen und Gruppenbildungen für Unternehmen aus steuerlicher Perspektive lohnen können. Auch die Investition in Forschung und Entwicklung zahlt sich aus. Entscheidend ist, sich eingehend über mögliche Stolpersteine zu informieren.
Zahlreiche Erleichterungen für Holdings
Besonders für Holding-Strukturen erweist sich Österreich als günstiger Standort mit zahlreichen Steuervorteilen für das beteiligte Unternehmen. Hierzulande können heimische Gesellschaften unabhängig von ihren anderen Geschäftsaktivitäten als Holding genutzt werden. Der finanzielle Mehrwert von Holdinggesellschaften liegt vor allem darin, dass die von ihnen empfangenen Erträge von Auslandsbeteiligungen prinzipiell von der Körperschaftsteuer befreit sind. Diese Beteiligungsertragsbefreiung ist grundsätzlich dann anwendbar, wenn die österreichische Gesellschaft mindestens 10 % der Gesellschaftsanteile an einer ausländischen Tochtergesellschaft hält. Dabei muss der Zeitraum von zumindest einem Jahr ohne Unterbrechung eingehalten werden. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, sind Dividenden, Veräußerungsgewinne und -verluste sowie sonstige Wertänderungen an der Beteiligung steuerfrei – es sei denn, die Holding optiert für die Steuerpflicht. Für Dividenden von Gesellschaften aus Österreich, der EU oder Staaten mit umfassender Amtshilfe gilt die Körperschaftsteuerbefreiung sogar unabhängig von Haltedauer und Beteiligungsausmaß.
Weitere Vorteile für Holdings ergeben sich durch die Absetzbarkeit von Zinsen für fremdfinanzierte, konzernexterne Beteiligungserwerbe. Auch das weite Netz von Doppelbesteuerungsabkommen sowie die Möglichkeit von steuerneutralen Umgründungen auf nationaler und grenzüberschreitender Ebene sind positive Voraussetzungen für Holdinggesellschaften in Österreich.
Entlastung bei Gruppenbesteuerung
Einen weiteren Steuervorteil für österreichische Unternehmen stellt die Gruppenbesteuerung dar. Unter diesem System werden Gewinne und Verluste von Gruppenmitgliedern automatisch dem Gruppenträger angerechnet. Damit können Gewinne und Verluste innerhalb der Unternehmensgruppe ausgeglichen werden. Auch eine grenzüberschreitende Verlustberücksichtigung wird dadurch möglich. Als Gruppenträger kann in Österreich jede unbeschränkt steuerpflichtige Kapitalgesellschaft fungieren.
Um eine Gesellschaft in eine Unternehmensgruppe aufnehmen zu können, ist die Beteiligung in Höhe von mehr als 50 % an Kapital- und Stimmrechten der Tochtergesellschaft erforderlich. Während bei inländischen Gruppengesellschaften jeweils eine Verrechnung von bis zu 100 % der Verluste möglich ist, können bei ausländischen Gruppengesellschaften nur Verluste im Ausmaß des Beteiligungsansatzes beim inländischen Gruppeneinkommen berücksichtigt werden.

Forschungsprämie geltend machen
In Österreich lohnt es sich für Unternehmen auch auf finanzieller Ebene, auf innovative Forschungsprojekte zu setzen. Denn die Prämie für Forschung und Innovation beträgt aktuell 12 % und wird ab Anfang 2018 auf 14 % steigen. Sie kann von jedem Unternehmen, das in Forschung, Innovation und Entwicklung investiert, beantragt werden – unabhängig von Unternehmensgröße, Branche oder Firmenstruktur. Ein Anspruch auf die Forschungsprämie besteht auch dann, wenn das Unternehmen keinen oder nur geringen Gewinn erwirtschaftet. Die Auszahlung erfolgt als Cash-Prämie rasch und relativ unbürokratisch.
Im Rahmen der steuerlichen Forschungsprämie sind sowohl die eigenbetriebliche als auch die in Auftrag gegebene Forschung prämienbegünstigt. Die über den aktuellen Stand der Technik hinausgehende experimentelle Entwicklung von Modellen, Produkten und Prozessen wird dabei ebenfalls berücksichtigt. Häufig werden von den Unternehmen aber bei weitem nicht alle Forschungs- und Entwicklungskosten für Prämienzwecke eingereicht. Dabei können diese sogar unabhängig vom Projekterfolg geltend gemacht werden. Neben Löhnen und Gehältern, Kapitalinvestitionen in Anlagevermögen und Immobilien sowie forschungsrelevanten Ausgaben wie zugekaufte Leistungen, Finanzierung- und Gemeinkosten können auch Kreditkosten angeführt werden, die bereits vor Projektbeginn angefallen sind.
Fundierte Information als Voraussetzung
Die Möglichkeiten zur Nutzung von steuerlichen Vorteilen sind vielfältig. Das Wichtigste dabei ist, sich als Unternehmer eingehend zu informieren. Im Zweifelsfall ist es zudem ratsam, sich professionell beraten zu lassen. So kann verhindert werden, dass etwaige steuerliche Begünstigungen ungenutzt bleiben.

Mag. Herbert Kovar

Quelle: https://investinaustria.at/de/blog/2017/09/deloitte.php